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Kanthal, Nickel, TiTan, Edelstahl, Fertigcoils – Drähte

von | 24.07.2021 | Allgemein

Kanthal, Nickel, TiTan, Edelstahl, Fertigcoils – Drähte

Draht – welch ein langweiliges Thema. Und doch kann es begeistern. Mit dem Thema Heizdrähte möchte ich mich heute etwas eingehender beschäftigen. Heizwendel oder Coil bestimmt maßgeblich, wie viel Dampf aus deiner E-Zigarette kommt und auch wie diese schmeckt.
Selbstwickler, Bastler und Enthusiasten können sich stundenlang über das Thema Draht streiten: “Welches Material, welche Stärke und welche Art zu wickeln ist die “Beste”? Anführungszeichen deshalb, weil letztendlich immer die eigenen Vorlieben entscheidend sind. Ich habe einmal einige interessante Infos rund um Drähte, die in E-Zigaretten zum Einsatz kommen, zusammengefasst.
Das ist keine Anleitung zum Wickeln von Verdampfern.

Ich gehe nicht darauf ein, welche Drahtsorten und -stärken sich für XY am besten eignen und dergleichen. Vielmehr sollen Interessierte einen Überblick bekommen, was es in Sachen Draht und auch Fertigcoils gibt und worauf man achten sollte.

Wer keine Lust hat einmal selbst zu wickeln und nichts über Draht erfahren will, sollte diese Seite jetzt verlassen und wieder Dampfen gehen.

Welche Draht-Materialien kommen beim Dampfen meistens zum Einsatz?

Grundsätzlich könnte jedes beliebige Material genutzt werden, solange es sich entsprechend aufheizen lässt um Liquid zu verdampfen. Die meisten sind aber wenig sinnvoll. Es spielen Faktoren wie Wärmeleitfähigkeit, Schmelzpunkt, chemische Beständigkeit, etc eine Rolle. Auch die Rohstoffpreise fließen mit Sicherheit in solche Überlegungen ein.

Kanthal (FeCrAl)

Der Klassiker unter den Drahtwicklungen. Kanthal ist der Handelsname für eine Legierung aus Eisen, Chrom und Aluminium. Kanthal wohl das am häufigsten verwendete Material für Heizwendel in E-Zigaretten. Fertigcoils, die im Handel erhältlich sind, bestehen (sofern nicht anders ausgewiesen) in der Regel aus Kanthaldraht. Kanthal hat bei gleicher Drahtstärke einen höheren Widerstand als NiCr. Das führt zu kleineren Coils, was sehr praktisch ist bei Verdampfern, die wenig Platz bieten.
 
Positiv:
  • Super günstig
  • Einfach in Dampfer Shops und online zu finden
  • Hält die Form gut
  • Leicht damit zu arbeiten
  • Funktioniert nur im Watt-Modus
Negativ:
  • Kann nicht im Temperatur-Modus verwendet werden
  • Einige Dampfer finden den Geschmack etwas langweilig
  • Die Anlaufzeit ist nicht so schnell wie bei anderen Drähten

Nickel-Chrom (NiCr)

Wohl das am zweithäufigsten verwendete Material für Verdampferwicklungen. Umgangssprachlich NiChrom genannt, wurde das Material von Anfang an zum E-Dampfen verwendet, noch bevor die Dampferszene Kanthal für sich entdeckte.  NiChrom-Drähten wird manchmal ein metallischer Beigeschmack nachgesagt, allerdings gibt es mindestens genau so viele Stimmen, die diese Meinung nicht teilen. Der elektrische Widerstand von Nickel-Chrom ist etwas geringer als der Widerstand von Kanthal. Dadurch eignet es sich gut für niederohmige Wicklungen. Andersherum können mit NiCr mehr Windungen gemacht werden, um den gleichen Widerstand zu erreichen. Das wiederum bedeutet mehr Kontaktfläche für die Liquidverdampfung.
 
Positiv:
  • Schnelle Hochlaufzeit
  • Leicht damit zu arbeiten
  • Hält beim Umwickeln die Form
  • Relativ billig
  • Funktioniert im Watt-Modus
Negativ:
  • Niedrigerer Schmelzpunkt als Kanthal (Vorsicht bei trockener Verbrennung)
  • Enthält Nickel (Allergen)
  • Nicht alle Dampfer Shops haben diesen Draht auf Lager

Edelstahldraht (Stainless Steel – SS)

Der einzige Dampf-Draht, der sowohl in Watt- als auch in TC-Modus verwendet werden kann, ist der Edelstahldraht. Dieser Draht ist perfekt für Dampfer, die sich zwischen TC- und Watt-Modus noch nicht entschieden haben oder den aktuell ausgewählten Modus nicht regelmäßig überprüfen. Edelstahldraht gibt es in verschiedenen Qualitäten (410, 413, 316, 316L, 430, 304, usw.), was die Verwirrung etwas verstärkt. Einige Sorten von SS-Draht enthalten fast kein Nickel (bis max.2%), welche definitiv besser für Menschen mit Nickelallergie sind.
 
Andere Pluspunkte sind, dass ein Edelstahldraht einen hohen Schmelzpunkt hat, relativ einfach zu verarbeiten ist und die Form gut hält. Einige SS-Drahttypen sind federnder als andere. Normalerweise werden SS 304, 430 und 316 empfohlen, da sie für Temperaturkontrolliertes Dampfen sehr gut sind, obwohl sie einen relativ niedrigen TCR haben.
 
Edelstahl bietet eine schnelle Anlaufzeit, ähnlich der von Kanthal, und erzeugt einen knusprigen und sauberen Geschmack (der wie immer subjektiv ist).
 
Positiv:
  • Leicht damit zu arbeiten
  • Hält die Form
  • Schnelle Anlaufzeit
  • Sauberer Geschmack
  • Relativ billig
  • TC und Wattzahl kompatibel
Negativ:
  • Einige Edelstahldraht-Klassen können im lokalen Dampfer Shop nicht verfügbar sein
  • enthält Nickel, wenn auch sehr wenig

Titandraht

Der umstrittenste Dampf-Draht auf dieser Liste ist definitiv der Titandraht. Dieser Draht ist umstritten, da er in der Tat Titandioxid (das giftig ist)freisetzt, wenn er über 610°C/ 1130°F erhitzt wird . Titandraht hat jedoch eine stabile TCR und wenn Sie eine funktionierenden TC-Mod haben, ist eine Titandioxid-Vergiftung nichts worüber Sie sich jemals sorgen machen sollten. Ein Ratschlag, der oft bei der Verwendung von Ti-Draht gegeben wird ist, den Draht zu erhitzen, bis dieser glänzend ist und eine dünne Oxidschicht gebildet hat. Diese Schicht haftet einfach am Draht.
 
Die meisten Dampfer, die diesen Dampfdraht benutzen, berichten dass sie keine Probleme bei der Benutzung des Drahtes gemerkt hätten, so dass die Panik, die Titandraht umgibt, definitiv übertrieben ist.
 
Jetzt, da Ihre Ängste gemildert sind, ist es Zeit, sich den Vorteilen von Ti-Draht zu widmen. Titanium ist sehr einfach zu bearbeiten, hält sehr gut in Form und arbeitet hervorragend im TC-Modus. Auch die meisten Dampfer, die diesen Draht verwenden, merken an, dass dieser einen großartigen Geschmack erzeugt. Ein weiterer Vorteil von Ti-Drähten ist, dass sie viel stärker sind als Ni200, wodurch Sie Titandrähte länger verwenden können, ohne dass sie brechen oder sich aus der Form biegen.
 
Positiv:
  • Leicht zu bearbeiten
  • Hält die Form gut
  • Stärker als Ni200
  • Sauberer, knackiger Geschmack
  • Funktioniert gut im TC-Modus
Negativ:
  • Kann nicht in Watt-Modus verwendet werden
  • Bedenken hinsichtlich der Toxizität
  • Titanfeuer sind schwer zu löschen
  • Schwer im Dampfer Shop zu finden

Welche Drahtsorten eignen sich für das temperaturgeregelte Dampfen (TC und TCR)?

Beim Dampfen im Temp-Modus (TC-Mode) werden andere Anforderungen an das Material des Heizdrahts gestellt. Dafür kommt beispielsweise Kanthal nicht infrage. So wurden Alternativen gefunden.

Warum brauche ich bestimmte Drähte um mit Temperaturkontrolle zu dampfen?

Beim Dampfen mit temperaturgeregelten Akkuträgern werden hauptsächlich Heizdrähte aus Nickel (Ni 200) oder Titan verwendet.
 
Warum werden diese Metalle verwendet und keine anderen? Das liegt an der Art, wie die Mods arbeiten. Was die verbauten Chips nämlich machen, ist nicht etwa die Temperatur zu messen. Was gemessen wird, ist die Änderung des Widerstands des Heizwendels. Jedes Material hat einen bestimmten elektrischen Widerstand. Dieser steigt, je Wärmer das Material wird. Das ist der sogenannte Temperaturkoeffizient. Jeder Stoff hat einen anderen Temperaturkoeffizienten (TC und TCR). Beim Dampfen im Tempmodus punkten daher Materialien, bei denen sich der Widerstand stark ändert, z.B. Nickel oder Titan.

Nickel (NI200)

Mit dem Aufkommen temperaturgeregelter Akkuträger konnte Nickel seinen Einzug in die Dampferszene feiern. Die früheren E-Zigaretten mit regelbarer Temperatur waren ausschließlich auf Nickelcoils ausgelegt.
 
Bei Nickeldraht ist zu beachten, dass dieses Metall einen sehr niedrigen Widerstand hat. Die Drähte, die man verwenden kann, sind oft sehr dünn und weich. Das macht das Wickeln für Ungeübte zu einer echten Geduldsprobe. Nickelcoils sind meistens sehr niederohmig.

Titan

Titandraht kommt ebenfalls beim Dampfen mit variabler Temperatur zum Einsatz und war auch, in diesem Bereich, die erste Alternative zu Nickel. Titan besitzt einen deutlich höheren elektrischen Widerstand als Nickel, bei gleicher Drahtstärke. Dadurch ist es möglich Wicklungen mit höheren Ohmzahlen anzufertigen. Mittlerweile sind Titancoils auch als vorgefertigte Verdampferköpfe im Handel.

Edelstahl

Edelstahl ist hauptsächlich ein Thema im Bereich temperaturgeregeltes Dampfen, allerdings eher als Randerscheinung. Wenn von Edelstahl die Rede ist, geht es genauer gesagt um die Sorten V2A oder V4A. Das Material bietet den Vorteil, dass es sehr preisgünstig ist. Es wäre auch für das reguläre Dampfen verwendbar. Edelstahl konnte sich aber nie wirklich durchsetzen.

Wie unterscheiden sich Nickel und Titan bei E-Zigaretten?

Manche Akkuträger sind nur auf entweder oder festgelegt. In diesem Fall erübrigt sich die Frage. Die meisten neuen TC-Mods werdet Ihr vor die Wahl gestellt und könnt auch fertige Coils in Nickel oder Titan bekommen.
 
Da Nickel einen sehr geringen spezifischen Widerstand besitzt, eignet es sich sehr gut für niederohmige Wicklungen.
 
Einige Menschen reagieren allergisch auf Nickel. Beim Dampfen gibt es keine Probleme, da keine Temperaturen erreicht werden, bei denen sich Nickelatome lösen. Ausgenommen davon ist das Ausglühen der Drähte, denn hier müssen Höchsttemperaturen erreicht werden. Selbstwickler, die bereits bei Hautkontakt Probleme mit Nickel haben, sollten dies aber bedenken.
 
Titandraht ist als Wicklung sehr beliebt, da es fester ist als Nickel. Vor allem dünne Drähte lassen sich dadurch leichter als Wicklung verarbeiten.
 
Ein weiterer Vorteil von Titan, es ist “chemisch inert”. Das heißt, als Heizdraht wird es nicht mit dem Liquid im Tank reagieren. Somit sind Titanwicklungen geschmacksneutraler als solche aus Nickel.
 
Von der Verwendung von Titan- oder  Nickelcoils beim normalen Dampfen (ohne Temperaturregelung) wird dringend abgeraten. Zum einen können beim Betrieb im Watt- oder Voltmodus theoretisch Temperaturen erreicht werden, bei denen Titan oxidiert, bzw. Nickel ausdampft. Beides ist aus gesundheitlichen Gründen ein No Go.
 
Ein weiterer Grund ist der unbeständige Widerstand bei Temperaturänderungen. Beim temperaturgeregelten Dampfen wird genau dieser Effekt gewünscht. Andere Mods sind darauf jedoch auf einen möglichst konstanten Widerstand ausgelegt. Bei geregelten Akkuträgern muss das nicht unbedingt zu Problemen führen, ein optimales Ergebnis ist aber nicht zu erwarten. Auf keinen Fall sollte Nickel oder Titan in ungeregelten Akkuträgern verwendet werden. Diese geben einfach die Spannung der Batterie ab. Da sich Nickel- und Titancoils eigentlich immer im Subohm Bereich befinden, fließen sehr hohe Ströme. Es sollte viel Wert auf die Sicherheitsfeatures moderner E-Zigaretten gelegt werden, um auf der sicheren Seite zu sein.

Welche Arten von E-Zigaretten Wicklungen gibt es?

Single Coil vs. Dual Coil

Single Coil bedeutet, dass ein einziger Heizdraht in den Verdampfer eingebaut wird. Entsprechend mit Dochtmaterial und Liquid bestückt, sorgt dieser für die Verdampfung.
Dual Coil, Ihr habt richtig geraten, heißt nichts anderes, als dass zwei Heizspulen verbaut werden.
 
Dual Coils werden häufig im Zusammenhang mit Selbstwicklern genannt. Es gibt aber auch fertige Ersatzverdampfer, die mit zwei Drähten bestückt sind.
 
In der Regel bieten Selbstwickelverdampfer (Rebuildable Atomizer, RBA) die Möglichkeit mindestens zwei Heizwendel einzusetzen. Dabei ist zu bedenken, dass der Widerstand halbiert wird, weil der Strom nun zwei Wege hat, durch die er fließen kann. Bitte unbedingt darauf achten, dass der Akkuträger damit klarkommt. Die zwei Wicklungen sollten außerdem den gleichen Einzelwiderstand haben und gleich beschaffen sein. Ansonsten erhitzt sich eine Spule schneller als die Andere. Die Hitze muss, für eine anständige Dampfentwicklung, gleichmäßig sein.
 
Bei Fertigverdampfern mit Dual Coil ist nichts Besonderes zu beachten. In jedem Fall wird durch zwei Coils die Dampfproduktion erhöht, da quasi zwei Verdampfer in einem arbeiten.
 
Bei zwei ist noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Je nach Verdampfer können auch drei- oder vierfache Wicklungen gemacht werden. Die Grenzen werden immer weiter vorangetrieben. Für den Smoktech TFV4 Mini Tankverdampfer gibt es sogar fertige Verdampferköpfe mit 6-facher Wicklung.

Claptondraht

Für den besonders reinen Geschmack, und leider auch einen besonders hohen Liquidverbrauch, ist Clapton das Zauberwort. Dafür wird ein dickerer Draht mit einem oder mehreren dünneren Drähten umwickelt. Meistens wird in diesem Zusammenhang Kanthaldraht erwähnt, es kann aber auch anderes Material verwendet werden. Durch das Umwickeln bekommt der Draht eine deutlich größere Oberfläche, das heißt mehr Verdampfungsfläche.
 
Anleitungen, wie Claptondraht selbst hergestellt wird finden sich im Netz. Um ein sauberes Ergebnis zu bekommen, ist etwas Hingabe erforderlich. Wenn es aber vollbracht ist, schwören viele Dampfer auf Clapton. Ob der Aufwand und der Mehrverbrauch an Leistung und Liquid den Geschmack wert sind, muss jeder für sich entscheiden. Ausprobieren sollte man es definitiv einmal, da eigene Erfahrung immer mehr wert ist als jeder Ratschlag.

Fertigcoils / Verdampferköpfe

Wenn man sich in den zahlreichen Dampferforen im Internet bewegt, entsteht leicht der Eindruck, dass E-Zigaretten nur ein Thema für Enthusiasten ist, die das Dampfen leben und sich den ganzen Tag mit nichts Anderem beschäftigen. In der Realität ist das Dampfen aber nicht nur ein Hobby für Bastler, sondern soll auch einer breiten Masse zugänglich sein.
 
Wohl der größere Teil der Dampfer besteht aus Leuten, die eine Alternative zum Tabak gefunden haben und anderen Genussmenschen, die sich aber nicht im Detail mit den Hintergründen beschäftigen wollen.
 
Viele dieser Dampfer haben wohl noch nie einen Gedanken an Drahtstärken und Materialien verschwendet, sondern erfreuen sich zu Recht an den fertigen Verdampferköpfen. Natürlich haben die Hersteller über die Jahre viele Erfahrungen gemacht und auch von den Erfahrungen der Community gelernt. Dieses Wissen fließt in die passenden Verdampferköpfe, die es zu jeder E-Zigarette gibt. Mit diesen können auch Anfänger nichts falsch machen und finden einen sehr leichten Weg zu einem tollen Dampferlebnis.
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